Die 3 Türme der alten Stadtmauer Großostheims
Großostheim,  Rhein / Main

Großostheim: Die 3 Türme der alten Stadtmauer

Großostheim, oder auch „Oustem“ wie es hier genannt wird, liegt unweit von Aschaffenburg in Bayern bzw. genauer gesagt in Unterfranken. Ich lebe nun schon seit über 23 Jahren hier, daher will ich Euch auch etwas von der schönen Umgebung und vom hübschen Ort selber zeigen. Nach Großostheim kommst Du auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, z.B. mit dem Zug (ICE oder Regionalzug) nach Aschaffenburg oder auch Babenhausen (Hessen) und von da mit dem Bus Linie 53 oder 54 direkt nach Großostheim. Die Linie 54 hat direkt eine Haltestelle Spitzer Turm.


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Großostheim ist ein Markt, dieses Marktrecht stammt noch von früher, denn vom Mittelalter bis in das 18. Jahrhundert hinein wurde Orten das Marktrecht verliehen. Dieses wurde jedoch nur an Orte verliehen, welche städtisch geprägt, aber nicht so groß waren. Dieses Marktrecht ging meistens mit der Verleihung anderer Rechte einher, wie etwa dem Wappen- und Siegelrecht.

Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden:[4]
• 780 Ostheim
• 1774 Groß Ostheim
• 1867 Großostheim
Ostheim, seit dem 17. Jahrhundert Großostheim genannt, wird erstmals in einer Urkunde des Klosters Fulda erwähnt, die zwischen 780 und 799 entstand. Ostheim gehörte seit seiner ersten urkundlichen Erwähnung zu verschiedenen Herrschaftsbereichen, ehe es 1278, zusammen mit dem gesamten Bachgau, zum Kurfürstentum Mainz kam.

Quelle: Wikipedia.de

Die Stadtmauer bzw. Wehrmauer ist zum Teil noch sichtbar

Auch heute noch sind einzelne Reste von der im 19. Jahrhundert zerstörten Stadtbefestigung zu sehen. Die Stadtmauer mit den drei markanten Wehrtürmen war damals zwei Kilometer lang. Ein Teil der Stadtmauer siehst Du noch an der Grabenstraße oder an den 3 Türmen. Diese Türme stelle ich Dir jetzt hier einzeln vor, nach Absprache und zu bestimmten Gelegenheiten sind Besichtigungen bzw. Begehungen möglich. Ansonsten sind die Wehrtürme verschlossen und nur von außen zu besichtigen.

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Zu dem heutigen Großostheim gehören die Ortsteile, Ringheim, Pflaumheim und Wenigumstadt.

Der Spitze Turm von Großostheim

Der „Spitze Turm“ befindet sich in der Pflaumheimer Str. 1 in Großostheim. Erstmals erwähnt wurde er im Jahre 1551. Der „Spitze Turm“ ist ein Gefängnisturm mit Verlies und heute der am besten erhaltene Turm. Er wurde im 16. Jahrhundert erbaut und ist 28 m hoch, seine Mauern sind 1,85 m stark. Durch eine Einstiegsöffnung auf halber Höhe war er früher nur erreichen. Von dem ca. 20 m hohen Turmkranz aus, hast Du eine tolle Panoramasicht über die Dächer von Großostheim und die Umgebung. Bei klarer Sicht ist es möglich, dass Du bis zum Wartturm von Schaafheim oder bis zum Aschaffenburger Schloss schauen kannst. Von unten und auch von oben sind die sehr gut erhaltenen Pechnasen, Schießscharten und Zinnen zu sehen. Ein Teil der Stadtmauer ist ebenfalls noch sichtbar und demonstriert sehr gut die Wehrhaftigkeit und Standhaftigkeit des Spitzen Turmes.

Der Stumpfe Turm von Großostheim

Nur einen „Katzensprung“ entfernt vom „Spitzen Turm“ befindet sich der „Stumpfe Turm“. Diesen findest Du in der Grabenstraße 20, vom „Spitzen Turm“ aus musst Du nur die Gasse weiter nach oben in Richtung Friedhof laufen. Dann kannst Du ihn gar nicht verfehlen.

Der „Stumpfe Turm“ ist der ehemalige Pulverturm und wurde vor 1500 erbaut. Chronologisch erwähnt wurde er auch zum ersten Mal 1500, zusammen mit dem Hexenturm. Der „Stumpfe Turm“ ist ein Rundturm, welcher noch nie ein Dach oder eine Spitze besessen hat. Er besteht aus unregelmäßigen Quadern und rechteckigen Scharten. Im Inneren des Turmes befindet sich eine Wendeltreppe. Dieser Rundturm, mit Teilen der alten Stadtmauer diente als früher als Pulvermagazin. Der heutige „Alte Friedhof“, welcher von der alten Stadtmauer umgeben ist, war der frühere Schießberg bzw. Schießplatz für die Ostheimer Schützen, denen die Nähe zum Pulvermagazin logischerweise sehr wichtig war. Um 1520 ließen dann die Regierenden aus dem Bachgau ihre Wappen an dem Turm anbringen. Diese Wappen befinden sich an der Nordseite des Turmes und zeigen die drei Ringe von Hamann Echter als Vicedom, in der Mitte das wappen von Kardinal Albrecht von Brandenburg, und rechts den Bock vom Centgrafen Schade von Ostheim. Der Bock des Centgrafen Schade von Ostheim befindet sich auch heute noch im Ortswappen. Der „Stumpfe Turm“ ist nur über die dunkle Steintreppe zu ersteigen.

Der Hexenturm von Großostheim

Der „Hexenturm“ ist der kleinste der drei Türme und ganz gut versteckt. Er befindet sich an der Nordostseite der alten Stadtmauer, in der Grabenstraße 105. Er wurde 1490 als Teil der alten Wehrmauer errichtet, lag jedoch später lange Zeit im Verborgenen, da er mit einer Garage und Scheune verbaut war. Im Jahr 2011 wurden die Garage und die Scheune abgerissen und der „Hexenturm“ saniert. Ein kleiner Rest der Stadtmauer ist auch noch sichtbar. Heute ist der Platz um den „Hexenturm“ ein schöner, kleiner Erholungspunkt im Ort. Der sichtbar angelegte Pflasterstreifen kennzeichnet den Verlauf einer der Ortsmauer vorgelagerten Sumpfgrabens.

Pflasterstreifen am Hexenturm Großostheim
Pflasterstreifen am Hexenturm Großostheim

Auch der kleine „Hexenturm“ oder auch „Kalkturm“ entstand als Wehrturm mit Zinnkranz und Wehrplattform. Im Boden befindet sich eine quadratische Öffnung, das sogenannte Angstloch, dies ist der Eingang zum düsteren, lichtlosen und nasskalten Verlies im Untergeschoss des Turmes gewesen. Auch dieser Turm war eines der sogenannten „Centgefängnisse“ aus dieser Zeit.
Hier fanden die „peinlichen Befragungen“, eher als Folter bekannten Maßnahmen der als Hexen denunzierten Personen statt.

Zwischen 1602 und 1603 fielen elf Frauen dem im Kurfürstentum Mainz grassierenden Hexenwahn zum Opfer. Das bekannteste „Hexenopfer“ ist die Hexe Gunda aus Ringheim, welche einer Sage nach von einer Nebenbuhlerin der Hexerei beschuldigt wurde. Noch auf dem Scheiterhaufen kündigte Gunda das Wachsen eines Tannenbäumchens auf diesem Turm des Elends an, welches ihre Unschuld beweisen würde, was auch bald darauf eintraf.

Überlieferungen erzählen:

Ihre Schmerzensschreie hallen in der Folterkammer wider, als die Finger der jungen Frau in den Daumenschrauben brechen. Lange hat sie durchgehalten, hat immer wieder ihre Unschuld beteuert, verneint, dass sie mit dem Teufel im Bunde steht, schwarze Magie beherrscht, eine Hexe ist. Doch irgendwann werden die Qualen zu groß, Gunda gesteht – und weiß, was das bedeutet.

Die Ringheimerin wird an einen Pfahl gebunden, steht auf einem Reisighaufen. Die Menschenmenge starrt sie an, sie wagen nicht zu atmen, als die Fackel an das Reisig gehalten wird, es Feuer fängt und die Flammen auf die Frau zulodern. Gunda wird bei lebendigem Leibe verbrannt, damit ihre Seele gereinigt wird, so der Urteilsspruch der Hexenrichter. Ihre letzten Worte waren: „Bei Gott, ich bin unschuldig, eine Tanne wachse aus der Asche und bezeuge meine Unschuld.“ Und wirklich! Einige Jahre später streckt ein Tannenbäumchen seine Zweige über die Mauern des Hexenturms.

Quelle: geocaching.com

Aber auch später, nachdem der Hexenwahn nicht mehr präsent war, wurde der „Hexenturm“ weiter genutzt. Der Eremit Wendelin Veith (nach diesem ist auch eine Straße in Großostheim benannt wurden) lebte nach 1800 im Turm und half dem Pfarrer beim Gottesdienst und bei der Krankenpflege. Nach seinem Tod hinterließ er sein Vermögen für eine Stiftung zur Förderung des Schulwesens.

Im 19. Jahrhundert lagerten hier die Tüncher ihren gelöschten Kalk im Turm ein, was diesem den Zweitnamen „Kalkturm“ einbrachte.

Achtung! Zur Besichtigung solltest Du eine Taschenlampe mit nehmen.

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12 Kommentare

  • Manuel Freitag

    Finde ich super, wenn man solche Bauten erhält, pflegt und ins moderne Stadtbild integriert. Viel zu oft werden diese Bauten versteckt oder nicht gewürdigt, dabei war es harte Arbeit, ohne Maschinen, diese zu errichten. Und so baut heute keiner mehr, was wir nie vergessen sollten.

    Danke für den tollen Bericht.

  • Miriam

    Spannend, dass die Türme alle so unterschiedlich gestaltet sind – auf den ersten Blick hätte ich nicht gedacht, dass sie alle zur gleichen Stadtmauer gehören. Besonders der Spitze Turm gefällt mir gut. Cool, dass du die Geschichte deines Ortes so aufgearbeitet hast – da bekommt sicher der ein oder andere Leser Lust, mal nach Großostheim zu fahren.

    • M. K.

      Danke Miriam, ich dachte mir, man berichtet so viel von fernen Zielen, dabei ist es vor der Haustür auch oft sehr schön und interessant.
      LG Manja

  • Mo

    Liebe Manja,

    ich liebe ja Geschichte und finde es großartig, wenn Bauten aus den vergangen Jahrhunderten überdauert haben.
    Vielen Dank für den tollen Einblick in die Historie dieser drei Türme. Da hat ja wirklich jeder seine eigenen Geschichte zu erzählen. Faszinierend.
    ich glaube, ich muss Großostheim mal einen Besuch abstatten.

    Liebe Grüße,

    Mo

    • M. K.

      Liebe Mo,danke für Deine positive Rückmeldung, freut mich sehr.
      Großostheim ist schön, freu mich wenn Du mal hierher findest.

      LG Manja

  • Steffi

    Huhu,

    wirklich interessant das alle Türme zu einem Bauwerk gehören, hätte ich im Leben nicht gedacht!

    Ich interessiere mich sehr für Geschichte und alte Gebäude/Bauwerke.

    LG
    Steffi

    • M. K.

      Hallo Steffi, danke für Deinen Kommentar. Ja, früher wurde sehr einfallsreich und interessant gebaut. Allerdings sind die Türme schon im Ort verteilt, zwar als Teil der alten Stadtmauer, jedoch nicht nebeneinander. Hoffe, das dies im Beitrag nicht fälschlicherweise so rüber kam.
      LG Manja

  • Dr. Annette Pitzer

    Der Hexenturm ist ein Mahnmal und es freut mich, dass man ihn so liebevoll saniert hat. Gerade läuft ja ein moderner Hexenwahn der sich wieder ohne nennenswertes Interesse der Menschen vor aller Augen vollzieht. Geblasen wird zur Hatz gegen die Heilpraktiker und die gekaufte Medienmacht trägt Früchte.
    Alles Liebe
    Annette

    • M. K.

      Liebe Annette,
      danke für Deine Antwort.
      Ich schau schon länger kein Fernsehen mehr, daher habe ich das vermutlich noch nicht mitbekommen. Ich bin der alternativen Medizin sehr positiv eingestellt und bin sehr froh, eine Ärztin und auch eine Apotheke zu haben, die dies unterstützen. Moderne Hexen im positiven Sinne würde ich sogar unterstützen zu sagen, denn ich mag Hexen und vor allem das alte Wissen der Kräuterkunde. Ich wäre früher bestimmt eine Kräuterhexe gewesen, vielleicht sollte ich mal im Stammbaum danach forschen.
      Ich wünsche Dir ganz viel Unterstützung bei Deiner so wertvollen Arbeit.

      LG Manja

  • Cindy

    Klasse wie du dich in deiner Heimat auskennst. Ich mag solche Informationen sehr, man nimmt sich oft zu wenig Zeit. Und schöner Beitrag dazu. Macht Lust die Türme zu besuchen. Ganz liebe Grüße, Cindy

    • M. K.

      Danke für Deinen lieben Kommentar, liebe Cindy.
      Wie heißt es doch so schön: „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?“ in diesem Sinne, lasst uns unsere Heimatorte erkunden.

      LG Manja

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